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Lernen lehren

Der Unterrichtsalltag wird von vielen LehrerInnen als frustrierend empfunden. Der simple Grund dahinter: Die SchülerInnen sind so desinteressiert am Lernen, dass man ebenso gut versuchen könnte einem Pinguin das Fliegen beizubringen. Das Hauptproblem hierbei ist, dass die Kinder meist schon einen Hintergrund an ungünstigen Lernerfahrungen haben, weshalb sie sich nur noch schwer zur Mitarbeit motivieren lassen.

Dabei kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sich Kinder auch für eher trockene Materie begeistern können - sofern sie richtig vermittelt wird. Dummerweise gibt es hier keine letzte Wahrheit: Was Schüler A als hochmotivierend empfindet, kann für Schüler B ein regelrechter Interessenskiller sein. Ein paar pauschal gültige Regeln gibt es jedoch.

Abwechslung: Bei Frontalvorträgen wird auf Dauer jedem langweilig. Wenn möglich, sollte der Unterricht daher immer wieder etwas Neues bieten. Natürlich kann nicht jedes Fach mit spannenden Exkursionen oder mit physikalischen Versuchen aufwarten, aber schon unterschiedliche Arten der Stoffdarbietung können Abwechslung bringen. Ein paar Beispiele für ungewöhnliche Aufgaben, die Interesse wecken: Das „Übersetzen" von mittelalterlicher Literatur in moderne Sprache im Deutschunterricht oder das Berechnen, wie weit Superhelden ihre Waffen werfen können in Mathematik

Leistungsdruck: Während manche SchülerInnen das Streben nach guten Noten als Ansporn empfinden, reagiert die Mehrzahl eher mit Stress auf Leistungsdruck. Besondere Stressfaktoren wie Schularbeiten lassen sich kaum vermeiden, allerdings sollten SchülerInnen zumindest im normalen Unterricht das Gefühl haben, nicht ständig mit Argusaugen beobachtet (und bewertet) zu werden. Manche Kinder neigen zur Schüchternheit oder sind leicht gestresst, wenn sie aufgerufen werden oder an die Tafel müssen. Daher ist eine auf möglichst vielen Faktoren beruhende Leistungsbewertung wünschenswert. Gruppenarbeiten können z.B. für schüchternere Gemüter eine gute Möglichkeit sein, „aufzutauen", da bei Gleichaltrigen die Barrieren niedriger sind.
Ganz wichtig: Kinder sollten niemals das Gefühl bekommen, dass „bessere" MitschülerInnen bevorzugt behandelt werden. Wenn ein Lehrer einen „schlechteren" Schüler häufiger aufruft, um ihm die Gelegenheit zur Mitarbeit zu geben, kann das auf Seiten des Kindes leicht als Schikane missverstanden werden. Die Trennung zwischen schulischen Leistungen und persönlichem Verhältnis ist extrem wichtig: Kinder dürfen niemals das Gefühl bekommen, wegen einer Schwäche in einem bestimmten Fach schlechtere Menschen zu sein.
Ebenfalls sollte das alte Sprichwort „es gibt keine schlechten Fragen" berücksichtigt werden - oft genug trauen sich SchülerInnen nämlich nicht, Fragen zu stellen, um nicht dumm da zu stehen. Wenn die Zeit fehlt, um auf eine bestimmte Frage einzugehen, sollte zumindest ein Hinweis gegeben werden, wo das fehlende Wissen nachgelesen werden kann.

Nutzen: Wissen zu erwerben macht immer weitaus mehr Spaß, wenn man das Gefühl hat, dadurch einen Nutzen zu erlangen (der vorzugsweise über gute Noten hinausgeht). Dieser Effekt kann z.B. mit kleinen Belohnungen für bestimmte Leistungen erzielt werden, vorzugsweise für größere Gruppen oder die gesamte Klasse: z.B. indem zwei Gruppen gebildet werden und die Sieger bekommen Süßigkeiten, oder indem eine Exkursion in Aussicht gestellt wird, wenn die Klasse eine bestimmte kumulierte Gesamtpunktzahl auf einen Test schafft. Achtung: Belohnungen dürfen nicht zu einfach errungen werden, sonst geht der Reiz verloren. Am besten funktioniert das System, wenn erworbenes Wissen in irgendeiner Form umgesetzt werden kann - z.B. wenn kleine Brücken aus Pappe mit mathematischen Formeln errichtet werden sollen.

Zu erkennen, wie SchülerInnen motiviert werden können, ist eine der schwierigsten Aufgaben für PädagogInnen: Sie erfordert nicht nur Beobachtungsgabe, sondern verlangt auch ein Maß an Kreativität und Engagement. Wer diese Fähigkeiten meistert, wird aber nicht nur seinen SchülerInnen Freude am Lernen vermitteln können, sondern dank der aufmerksamen und interessierten Gesichter im Klassenzimmer auch selbst viel Freude am Unterrichten haben.

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